Als er schließlich aufsteht, zieht er meine Aufmerksamkeit mit einer unübersehbaren Selbstverständlichkeit auf sich. Ohne die geringste Hemmung verlässt er das Becken, das Wasser gleitet von seiner Haut und er greift nach einem Tuch, mit dem er sich abtrocknet. Seine Bewegungen sind ruhig, kontrolliert und irgendwie provokant, als würde er meine Reaktion gezielt testen.
„Gefällt dir was du siehst? Du darfst gerne schauen was sich dir bietet.", ertönt seine Stimme und reißt mich aus meiner Starre. Ich habe ihn tatsächlich angestarrt stelle ich erschreckend fest. Unfähig meine Scham zu verleugnen, merke ich wie meine Wangen sich rot färben. Schnell senke ich den Blick und rüge mich innerlich dafür. Wie komme ich nur dazu den Körper meines Peinigers zu betrachten. Egal wie unverhohlen er auch herumstolzieren mag.
„Komm, zieh dich an", sagt er knapp als ich nicht reagiere und deutet auf einen Kleiderstapel neben sich. „Dort ist alles was du brauchst."
Ich folge seinem Blick und sehe 2 Sätze sauberer Kleidung vor ihm liegen, ein Handtuch für mich kann ich am Beckenrand erspähen. Langsam pirsche ich mich unter Wasser so nah an das Handtuch heran, bis es in greifbarer Nähe ist. In dem Moment, wo er in seine Boxershorts steigt, erhebe ich mich und beeile mich, mich in das Handtuch einzuwickeln. Langsam nähere ich mich der sauberen Kleidung, die Finger in den Saum des Handtuches gekrallt, damit es an Ort und Stelle bleibt.
Mein Kleidungsstück scheint einem Nachthemd zu ähneln und aus Baumwolle zu bestehen, doch keine Spur von Unterwäsche. Meine Lippen pressen sich aufeinander und ein Anflug von Ärger flammt in mir auf.
„Wo ist der Rest?", frage ich, meine Stimme scharf.
Er wendet sich mir zu, ein abgehacktes, spöttisches Lachen entweicht seinen Lippen.
„Ich benötige Unterwäsche", erkläre ich, meine Wangen leicht erhitzt, meine Worte scharf wie ein Messer.
„Du brauchst was ich dir gebe.", sein Unterton ist gefährlich amüsiert. Seine Augen funkeln, als würde er sich an meinem Unmut ergötzen, bevor er sich dem Kleiderstapel erneut zuwendet, um sein Shirt überzustreifen.
Mein Zorn kocht, aber ich beiße die Zähne zusammen und schiebe den Ärger hinunter, während ich mir das dünne Nachtgewand überstreife. Es fällt leicht und kühl über meine Haut, aber ich fühle mich nackt darunter, was das Unbehagen noch verstärkt. Grade als ich das Kleidungsstück gerichtet habe, spüre ich plötzlich kaltes Metall und ein klacken.
„Wirklich?", knurre ich, während er die Ketten mit einer Selbstverständlichkeit befestigt, die keine Diskussion zulässt.
„Wirklich.", bestätigt er mit einem kaum merklichen Lächeln und einem schnellen Zug an den Ketten, der meine Hände leicht vorzieht „Und jetzt komm."
Ich folge ihm zähneknirschend, meine Kiefer angespannt, um die Flut an Flüchen zurückzuhalten, die mir auf der Zunge liegen. Mit jedem Schritt, den wir zurück in sein Zimmer machen, wächst mein Frust - aber auch eine eigenartige, bedrückende Vorahnung.
Als er die Tür hinter uns schließt und mich wieder an der Stange fixiert, setze ich mich mit verschränkten Armen auf die Kante des Bettes, meinen Blick voller Trotz, während ich ihn beobachte. Irgendetwas an seiner Ruhe macht mich wahnsinnig und ich hasse, wie viel Macht er hat, nicht nur über meinen Körper, sondern auch über meinen Verstand.
„Es ist spät. Du wirst die Nacht hier verbringen. Deine Wahl: Entweder neben mir im Bett oder …" Sein Blick wandert bedeutungsvoll zum Diwan am Fußende des Bettes, während er selbst sich in seinem Bett niederlässt, was mich schreckhaft von der Bettkante springen lässt. „… dort drüben. In jedem Fall wirst du sicher sein, dass du dich nicht verirren kannst."
Ein amüsiertes Lächeln spielt um seine Lippen, während er die Kette, die um meine Handgelenke liegt, locker zwischen seinen Fingern schwingen lässt, als wäre sie nur ein harmloses Accessoire.
„Den Teufel werde ich tun, bei dir im Bett zu schlafen du kranker Mistkerl.", fauche ich ihn an, der Schock muss mir ins Gesicht geschrieben gestanden haben denn er lacht.
„Du hast Angst das ich dich anfasse? Ist es das? Ich mag vieles sein, aber ich nehme niemanden gegen seinen Willen. Du hast nichts vor mir zu befürchten.", ernst schaut er mir direkt in die Augen, bis der Hohn zurückkehrt. „Aber keine Sorge, du wirst mich darum noch bitten, und es wird nicht bei einem Mal bleiben. Doch das hat noch etwas Zeit. Jetzt wähle."
„Ich wähle den Diwan.", antworte ich trotzig ohne auch nur einen Moment zu zögern. Nichts in der Welt könnte mich dazu bewegen, mit diesem Mann das Bett zu teilen. Und ich soll verdammt sein, wenn er mit dem Rest recht behält schwöre ich mir.
„Na schön. Wenn dir das was du trägst, nicht bequem genug ist um zu schlafen…" Er lässt die Worte absichtlich hängen, die Spitze seiner Stimme nur schwer zu überhören. „Ich könnte dir helfen dich umzuziehen. Natürlich nur wenn du darum bittest.", sein lächeln ist unüberhörbar.
Der Sarkasmus in seiner Stimme ist unüberhörbar, doch der Blick den er mir zuwirft, ist scharf wie ein Messer und lässt keinen Zweifel daran, dass er es tatsächlich tun würde.
Anstelle einer Antwort lege ich mich trotzig und ohne ein weiteres Wort auf den Diwan und ziehe die Decke die darauf liegt über mich. Egal welche Wahl ich auch getroffen habe, er hat gewonnen, und das weiß er.
Ein Schleier aus Schatten und flimmerndem Licht legt sich über meine Gedanken, wie ein Traum den ich nicht greifen kann. Alles um mich herum ist weichgezeichnet, Konturen verschwimmen, doch dazwischen tauchen Bilder auf, so klar, dass sie mich innehalten lassen.
Ein Paar Augen leuchtend und geheimnisvoll, durchdringen die Dunkelheit. Ihre Farbe bleibt ungreifbar, wechselt wie das Licht auf den Wellen, doch der Blick trägt eine Verlockung in sich, die wie ein stiller Ruf durch den Nebel hallt. Eine Hand, zart und kühl, wie aus Wasser geboren, streift meine Wange, hinterlässt ein Gefühl von Süße und einem Hauch Gefahr zugleich.
Ein Flüstern dringt durch die Dunkelheit, die Silben melodisch, fast wie ein Lied. Ich kann die Worte nicht verstehen, doch sie ziehen an meinem Geist wie Strömungen, die einen Körper ins Meer hinausreißen. Und dann, wie ein Echo, wieder und wieder: „Calypso."
Das Wort schwebt im Raum wie ein Hauch warmer Luft. Ich sehe eine Gestalt, flüchtig und umhüllt von Schatten. Ihre Bewegungen sind geschmeidig, wie ein Tanz und wo sie geht, fließt ein Lichtschimmer über den Boden als hätte die Nacht selbst beschlossen ihr zu folgen.
Der Traum wechselt immer flüchtiger werden die Bilder. Ein Strand, ein flackerndes Feuer, eine Stimme, die süß und bittersüß zugleich den Namen Odysseus haucht. Die Dunkelheit zieht sich zurück, die Bilder beginnen zu zerfließen wie flüssiges Licht, das sich auflöst, je näher ich dem Erwachen komme. Langsam verlangsamen sich die Bewegungen, die Stimmen verstummen, und dann, plötzlich, ist nur noch Stille. Ein scharfes Einatmen - der kalte Luftzug der Realität trifft mich.
Mein Atem geht schnell und ich taste instinktiv nach den Ketten an meinen
Gelenken. Natürlich sind sie noch da, ein stählendes Versprechen meiner
Gefangenschaft. Doch sein Bett ist leer als ich den Blick schweifen lasse. Der Raum ist still, bis auf das leichte Knarren des Holzes, wenn ich mich bewege. Ich bin allein.
Die Zeit scheint sich zu dehnen, während ich warte. Mein Traum flackert noch immer in meinem Geist, undeutlich aber beunruhigend. Schatten, Augen, Flüstern. Alles verschwommen und doch erschreckend real. Ich schüttele den Kopf, will die Bilder vertreiben, doch sie bleiben haften wie ein zäher Nebel.
Plötzlich schwingt die Tür mit einem leisen Knarren auf und er tritt mit seiner typischen Gelassenheit ein. Über seinem Arm hängt lässig ein Stoffbündel, das bei jedem Schritt leicht hin und her schwingt. Ich erkenne sofort, dass es sich um ein Kleid handelt, für mich. Seine Augenbraue hebt sich leicht, als er meinen wachen, aufmerksamen Blick bemerkt, doch er sagt nichts.
Noch bevor er den Mund öffnen kann, reiße ich das Wort an mich. „Was ist das jetzt? Noch ein weiteres Stück Stoff, das mehr Preis gibt, als es verdeckt?" Er hält inne, das Kleid noch immer über seinem Arm und ein spöttisches Lächeln spielt um seine Lippen. „Ich dachte, ich erspare uns Zeit und Diskussionen, indem ich etwas passenderes auswähle als ein Nachtgewand, welches Phantasien anregt und leicht durchsichtig schimmert. Aber wenn du mich lieber so angezogen den Tag über begleiten magst.", er legt das Kleid auf das Bett neben mir. Der Stoff ist schwer, aber geschmeidig, ein tiefes Rubinrot durchsetzt mit goldenen Fäden, die das Licht einfangen und zurückwerfen. Es ist kunstvoll geschnitten, mit einer betonten Taille und fließendem Rock, die Schultern offen, das Dekollté dezent aber anziehend.
„Ziehst du es an?", eine Aufforderung in seiner Stimme unverkennbar. „Ich ziehe gar nichts an", fauche ich. „Nicht solange du hier bist." Meine Stimme hat etwas Herausforderndes, aber auch eine Angst, die ich nur schwer verbergen kann.
Er hebt eine Hand, als wolle er beschwichtigen, doch die Dunkelheit in seinem Blick verrät, dass er genau weiß. Was er tut.
„Oh, ich gehe nirgendwo hin. Nicht wenn es so amüsant ist, dir dabei zuzusehen, wie du dich windest."
„Vergiss es", fauche ich, „du wirst nicht über mich triumphieren."
„Triumphieren?" Seine Stimme ist ein sanftes Rauchen, während er mit wenigen Schritten den Abstand zwischen uns überbrückt und mich langsam umrundet, bis er direkt vor mir stehen bleibt. „Ich habe längst gewonnen. Du kämpfst nur noch gegen den Gedanken."
Er macht eine bedeutungsschwere Pause, bevor er hinzufügt: „Soll ich dir helfen dich umzuziehen? Oder möchtest du dich lieber wieder zwingen lassen?" Die Drohung hängt schwer in der Luft und ich balle die Hände zu Fäusten. Widerspenstig entscheide ich mich, mich selbst umzuziehen. Ob vor Abscheu oder Angst seiner Berührung und den damit einhergehenden Gefühlen verweigere ich mich zu hinterfragen.
Mit einem scharfen Atemzug halte ich ihm meine Handgelenke hin, damit er meine Fesseln löst, um mich umziehen zu können. Mit einem anerkennenden lächeln seines Sieges, löst er die Ketten von den Armbändern. Ich gehe langsam zu meinem abgelegten Kleid auf dem Bett und bemerke, wie er zu einem Stapel Kleidung auf der gegenüberliegenden Bettseite geht, den ich bisher nicht bemerkt hatte.
Eine schwarze Lederhose und ein dunkel rotes Gewand mit goldenen Stickereien, die an Schlangen und Ranken erinnern, fallen ins Auge. Der Schnitt des Gewandes ist asymmetrisch, mit einer Schulterpartie, die breit und imposant wirkt und einem Umhang, der fast den Boden streift. Es erinnert an das Gewand eines Barons - oder eines Königs, der sich nicht scheut, Stärke und Macht zu zeigen.
Ohne zu zögern beginnt er sich umzuziehen, direkt vor meinen Augen. Ich wende den Blick ab, doch seine tiefe Stimme hält mich fest. „Spar dir den falschen Anstand, kleine Flamme. Du hast mehr gesehen, als du zugeben willst.
Aber du darfst gern weiter schauen. Soll ich mich vielleicht drehen?"
Ich schnaube, die Hitze steigt mir ins Gesicht. „Du bist ein eingebildeter Mistkerl." Während seiner nächsten Worte drehe ich mich von ihm weg, und während ich die Kleidung überstreife, fühle ich mich nicht besser - nur gezwungen. Der Stoff fühlt sich fremd an, als würde er mich in eine Rolle drängen, die ich nicht spielen will. Doch was bleibt mir, außer mich zu fügen? Zum Schluss stecke ich meine Füße in elegante silberne Riemchenschuhe mit leichten Absätzen.
Er lacht leise, ein dunkler, samtiger Klang. „Und doch bist du hier. Bereit, mir den ganzen Tag zu folgen. Willig oder nicht."
Mein Herz hämmert in meiner Brust, als er mir die Ketten anlegt. Ich könnte mich wehren, könnte schreien, doch etwas in mir bleibt stumm. Der kalte Metallring an meinem Handgelenk fühlt sich wie ein weiterer Teil von mir an - als hätte er sich untrennbar mit mir verbunden. Dann verlässt er mit mir im Schlepptau den Raum.
Die Türen der großen Halle öffnen sich schwerfällig und ich werde in eine Welt geführt, die mich gleichzeitig staunen und frösteln lässt. Der Ort ist gewaltig, eine Mischung aus Schönheit und Beklommenheit. Hohe Decken, so kunstvoll verziert, dass es scheint, als würden sich die Sternbilder der Nacht über mir ausbreiten, Wände aus glattem, dunklem Stein, die von goldenen Leuchtern beleuchtet werden. Überall funkelt es - in den Kristalllüstern, in den verschnörkelten Spiegeln, die das Licht zurückwerfen und in den feinen Verzierungen, die an Türen, Fensterrahmen und Möbeln zu finden sind.
Doch trotz all des Glanzes fühlt sich der Ort Leer und unnahbar an. Er ist ein kaltes Juwel - bewundernswert, aber ohne Wärme. Ich kann nicht umhin, mich klein zu fühlen in diesen Räumen, die so offensichtlich für jemanden geschaffen wurden, der kein Zweifel an seiner Macht hegt.
Christiano führt mich mit langsamen, selbstbewussten Schritten durch die langen Gänge. Er spricht kaum. Wenn er spricht, sind es kurze, knappe Anweisungen, die keine Fragen offenlassen. Er deutet auf bestimmte Räume - eine Bibliothek, so groß wie das Wirtshaus meines alten Dorfes - da kehrte plötzlich ein Bild meiner Erinnerung zurück, ein Speisesaal, dessen Tisch mit müheloser Eleganz für Dutzende gedeckt werden konnte und eine Galerie voller Gemälde, deren Augen einem auf eine unheimliche Weise folgen.
„Warum bin ich hier?", wage ich zu fragen. Meine Stimme ist fester als ich erwartet habe, aber mein Herz hämmert in meiner Brust. Er hält abrupt an, dreht sich zu mir um und sieht mich an. Seine dunklen Augen sind wie ein Abgrund, in den man nicht hinabsehen sollte. „Du stellst viele Fragen für jemanden, der lebt, weil ich es erlaube.", antwortet er leise, seine Stimme ein gefährliches Flüstern. „Aber Antworten sind ein Privileg, das du dir erst verdienen musst."
Mein Trotz beginnt sich zu regen. „Ich verdiene Antworten", erwidere ich lauter.
„Ich bin nicht irgendein Ding, das du herumschubsen kannst."
Seine Augen verengen sich und für einen Moment denke ich, ich hätte eine Grenze überschritten. Doch dann tritt er einen Schritt näher, sodass der
Abstand zwischen uns fast verschwunden ist. „Du wirst bald lernen, wie schnell Stolz gebrochen werden kann.", sagt er kühl. „Aber ich bin kein Mann, der sich an der Zerstörung von Willen erfreut. Nicht solange es... interessant bleibt." Mit diesen Worten wendet er sich ab, lässt mich stehen und geht weiter, als sei nichts gewesen. Als die Ketten sich straffen, habe ich keine andere Wahl, als ihm zu folgen.
Später am Abend finde ich mich in einem Speisesaal wieder, der mich mit seiner schieren Größe und Eleganz erschlägt. Der Tisch ist so lang, dass ich das Ende nicht sehen kann, gedeckt mit feinstem Porzellan, goldenen Kelchen und einer Fülle an Speisen, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Doch die Kälte bleibt. Es gibt keine Wärme, keinen Willkommensgruß, nichts außer der erdrückenden Stille.
Christiano sitzt am Kopf der Tafel, seine Haltung perfekt, so kontrolliert, dass es fast unmenschlich wirkt. Ich bin darauf angewiesen, auf einem Platz zu seiner Rechten zu sitzen, aber schon diese Geste fühlt sich weniger wie ein Privileg und mehr wie ein Kalkül an.
„Du wirst dich an bestimmte Regeln halten, während du hier bist.", beginnt er, während er seinen Kelch hebt. Sein Blick ruht auf mir, fordernd, prüfend. „Respekt, Gehorsam und Stille sind Tugenden, die du lernen wirst." Ich kann nicht anders, als die Worte sofort zu hinterfragen. „Gehorsam?" Ich lache leise, auch wenn ich weiß, dass es dumm ist, ihn herauszufordern. „Ich bin nicht hier, um dein Schoßhund zu sein."
Sein Blick wird schärfer, seine Hand legt sich ruhig auf den Tisch. „Nein", sagt er langsam, „du bist hier, weil dein eigenes Dorf dich geopfert hat. Weil sie glaubten, dass sie dich entbehren können um ihre eigene Haut zu retten.
Vergiss das nicht."
Seine Worte treffen mich wie ein Schlag, aber ich lasse es mir nicht anmerken, hob stattdessen mein Kinn, mein Trotz lodert in mir wie ein Feuer. „Das heißt nicht, dass ich mich dir unterwerfe!", entgegne ich mit fester Stimme. Ein gefährliches Lächeln umspielt seine Lippen. „Du bist stur", erkennt er amüsiert an. „Aber du wirst lernen, dass Trotz Konsequenzen hat."
Ich verschränke die Arme und lehne mich in meinem Stuhl zurück, ein bewusster Affront gegen seine Autorität. „Dann bring mir doch bei, was du unter Konsequenzen verstehst.", fordere ich ihn trotzig heraus.
Für einen Moment ist die Stille fast greifbar. Seine dunklen Augen scheinen mich zu durchbohren, während er langsam den Kelch absetzt. Die Luft zwischen und knistert vor unausgesprochener Spannung. Doch statt laut zu werden oder seine Macht mit Drohungen zu untermauern, tut er etwas, das mich überrascht. Er lehnt sich zurück, genauso wie ich es getan habe und betrachtet mich mit einer Ruhe, die gefährlicher ist als jede Wut.
„Du bist ein faszinierendes Wesen", sagt er schließlich, seine Stimme ruhig, aber mit kalten Unterton. „Aber auch Feuer kann gezähmt werden. Du wirst verstehen, dass meine Geduld nicht unendlich ist. Zu deiner Konsequenz für jetzt, kommen wir nach dem Abendessen zurück."
Ohne ein weiteres Wort setzt er sein Essen fort, als sei der Streit nicht der Rede wert. Ich sitze immer noch, überrascht den Trotz in mir brodelnd, weiß aber, dass ich meinen nächsten Zug mit Bedacht wählen muss. Zum ersten Mal spüre ich, dass dieser Mann kein gewöhnlicher Herrscher ist.
Nach Beendigung des Abendessens, erhebt er sich und verlässt mit mir im
Schlepptau den Speisesaal. Der Raum ist noch erfüllt vom leisen Klingen der
Gläser und dem Summen der Gespräche der verbliebenen Gäste, doch unsere Schritte hallen schwer auf den alten Steinplatten des Flurs. Er geht voran, ohne zurückzublicken, während ich mit verschränkten Armen folge, meine Augen auf seinem breiten Rücken gerichtet. Das Schweigen zwischen uns ist angespannt, beinahe greifbar, doch ich spüre, dass es nicht ewig andauern wird.
Als wir die Türen zu seinen Gemächern erreichen, hält er sie für einen Moment offen und wirft mir einen vielsagenden Blick zu. Ich trete trotzig ein, den Kopf leicht erhoben, meine Haltung unbeugsam, obwohl ich ahne, was folgen wird.
„Setz dich.", befiehlt er knapp, seine Stimme ruhig aber fest.
Ich komme seinem Befehl nicht nach, bleibe stehen, funkle ihn trotzig an und hebe herausfordernd eine Augenbraue.
„Was auch immer du vorhast, ich werde nicht einfach gehorchen."
Er schließt die Tür hinter sich mit einem leisen und endgültig klingenden
Klicken. „Das dachte ich mir schon.", meint er mit einer Ruhe, die mir Unbehagen bereitet. Langsam geht er auf mich zu, seine Präsenz scheint den Raum zu füllen.
„Dein Trotz hat seine Grenzen.", sagt er und seine Stimme klingt tiefer, beinahe sanft, doch ich spüre die Strenge in jedem Wort. „Und es wird Zeit, dass du diese erkennst."
„Ich erkenne keine deiner Grenzen an.", entgegne ich scharf, meine Haltung unverändert.
Er seufzt, als hätte er es kommen sehen. „Dann bleibt mir keine Wahl." Noch bevor ich reagieren kann, hat er mich an der Hand gepackt und mich auf das Bett gesetzt. Ich zapple, versuche mich loszureißen, doch er ist stärker, hält mich mit einem Griff fest, der bestimmt, jedoch nicht schmerzhaft ist.
„Was soll das?", fauche ich und strample wie ein gefangenes Tier.
„Zehn Klapse auf deinen Hintern", erklärt er ruhig, als würde er mir das Wetter vorhersagen. „Und das ist noch gnädig."
„Wag es ja nicht!", rufe ich und stemme mich gegen ihn, doch meine Gegenwehr scheint ihn nicht zu beeindrucken.
„Oh, das werde ich.", erwidert er mit einem Anflug von Belustigung, während er mich über seine Knie zieht. Ich wehre mich weiterhin mit aller Kraft, doch er hält mich eisern fest, seine Hände sicher auf meinem Rücken.
„Du kannst trotzig sein, so viel du willst.", murmelt er, während er den Stoff meines Kleides auf die Seite schiebt und der erste Klaps auf meinen Hintern trifft. Der Knall war laut, das Brennen sofort spürbar und ich beiße die Zähne zusammen, um keinen Laut von mir zu geben.
„Eins.", zählt er ruhig.
„Lass mich los!", fauche ich, meine Stimme jedoch leicht erstickt vor Scham und Wut.
„Neun weitere.", antwortet er stattdessen, ohne sich von meinem Protest beeindrucken zu lassen.
Mit jedem weiteren Klaps, den er auf meinen Hintern niedergehen lässt, wächst meine Wut - und zugleich meine Scham. Er zählt jeden Schlag mit ruhiger, unerbittlicher Stimme. Zwei. Drei. Vier. Ich beiße mir auf die Lippe, weigere mich, ihm die Genugtuung eines Lautes zu geben. Fünf. Sechs. Ich versuche immer wieder mich zu befreien, aber sein Griff bleibt fest. Ich hasse es, ich hasse ihn.
Nach dem zehnten Klaps lässt er mich los und sofort reiße ich mich von seinem Schoß los. Meine Wangen glühen vor Empörung, doch ich weiß, dass meine Wut mir nicht weiterhelfen wird. Ich drehe mich von ihm weg, die Arme trotzig verschränkt, während ich mich weigere ihn anzusehen.
„Das war notwendig.", sagt er ruhig, als wäre die Sache damit abgeharkt. Ich drehe mich zu ihm um, funkle ihn an. „Du bist unmöglich!", zische ich ihn an, doch er zuckt nur mit den Schultern, sein Blick bleibt gelassen.
„Vielleicht", meint er, steht auf und beginnt seine Jacke abzustreifen. „Aber ich halte mein Wort. Und jetzt ist es Zeit schlafen zu gehen."
Er lässt mich stehen und geht zum Bett, zieht die Decke zurück und legt sich hinein, als wäre nichts geschehen. Sein Blick ruht auf mir, als er sich bequem hinlegt, die Arme hinter dem Kopf verschränkt.
„Du hast die Wahl", sagt er „Entweder schläfst du hier bei mir - oder wieder auf dem Diwan. Die Entscheidung liegt bei dir."
Ich werfe ihm einen wütenden Blick zu, dann wandert mein Blick zum Diwan, am Fußende des Bettes steht. er Gedanke, mich zu ihm ins Bett zu legen, ekelte mich an, doch war es nicht nur der Gedanke an seine Nähe, der mich abstieß. Es war auch der Wunsch, ihm nicht zu zeigen, dass ich es nötig hatte, mich ihm zu fügen. Der Diwan war unbequem, aber er war ein Symbol für den Widerstand. „Ich nehme den Diwan.", erkläre ich scharf und gehe mit entschlossenen Schritten zum Diwan.
„Wie du willst.", antwortet er mit einem Anflug von Überraschung in seiner Stimme.
Wie in der Nacht zuvor nahm er die Ketten, die an meinen Armringen befestigt waren und legte sie sorgfältig um die Stange. Ich halte still, obwohl ich ihn mit jedem Atemzug durchbohre, als könnte mein Blick ihn verletzen.
„Damit du mir nicht wegläufst.", erklärt er leise als ich nichts sage. Es klingt fast wie ein Scherz, doch ich weiß, dass er es ernst meint.
Ich antworte nicht, sondern lege mich auf den Diwan und ziehe eine dünne Decke über mich. Mein Körper schmerzt, sowohl von der Strafe als auch von der starren Haltung meines Stolzes.
Er löschte Kerze und legte sich zurück in sein Bett. Für eine Weile liegt Stille im Raum, nur das gleichmäßige Knistern des Kaminfeuers ist zu hören.
„Gute Nacht," sagte er schließlich, seine Stimme leise im Dunkeln. Ich antworte nicht, drehte ihm den Rücken zu und starre die Wand an. Doch innerlich brodle ich - vor Wut, vor Scham und vor einer seltsamen, unerwünschten Unruhe, die ich nicht ganz einordnen kann.
Und so schlafen wir beide, jeder in seinem eigenen Bereich, doch beide mit dem Wissen, dass die Spannung zwischen uns noch lange nicht gelöst ist.


