Er löst die Ketten von der Stange, jede Bewegung dabei absichtsvoll und bedächtig. Das leise Klirren des Metalls hallt in der stillen Kammer wider. Ohne ein Wort über den Grund oder das Ziel ergreift er die Ketten und zieht mich mit sich. Meine Fragen prallen an ihm ab wie Regentropfen an einer Steinmauer, unbeantwortet und ignoriert. Sein Griff ist fest, doch nicht schmerzhaft, eine eindringliche Erinnerung an die Kontrolle, die er über mich hat.
Der Gang, den wir betreten ist lang und düster, die Wände mit flackernden Fackeln erleuchtet. Die Luft trägt einen Hauch von Rauch und etwas Wildem, ungezähmten, das mich an die Augen erinnert, die ich zuvor gesehen habe. Schließlich öffnet sich der Gang zu einem imposanten, festlich geschmückten Saal. Die Decke ist hoch, mit massiven Balken aus dunklem Holz und der Raum ist gefüllt mit Menschen, deren Auren etwas Unnatürliches, primitives an sich haben. Ihre Blicke sind auf und gerichtet, neugierig, respektvoll oder argwöhnisch.
Er führt mich ohne zu zögern auf einen erhöhten Thron zu, der an einer Seite des Saals thront wie ein Symbol uneingeschränkter Macht. Die Ketten an meinen Handgelenken befestigt er seitlich an einer Haltung des Thrones und ich bin gezwungen neben dem Thron zu knien, während er sich setzt. Allein seine Präsenz reicht aus, um den Raum zu beherrschen.
Er hebt eine Hand und die Gespräche verstummen. Seine Stimme durchdringt die Stille, tief und autoritär, während er seine Aufmerksamkeit auf die Versammlung richtet.
Während er sich mit seiner Rolle als Anführer beschäftigt, bleibt mir nichts anderes, als still daneben zu sitzen und meine Gedanken zu ordnen. So gut es eben geht, mit den Ketten an meinen Handgelenken, die mich an die Realität meiner Situation binden. Seine tiefe Stimme hallt durch den Saal, als er Berichte über Grenzstreitigkeiten und Vorratsbeständen entgegennimmt, Befehle für Patrouillen erteilt und Anweisungen zu Verhandlungen und Allianzen gibt. Er wirkt fokussiert, eine unerschütterliche Präsenz, die keine Schwäche zeigt. Doch während er regiert, habe ich Zeit nachzudenken, zu viel Zeit.
Der Raum scheint stiller zu werden, während sich meine Gedanken verselbstständigen. Das Gewicht der Ketten ist nichts im Vergleich zu der drückenden Leere in meinem Geist. Ich versuche mich an etwas zu erinnern, irgendetwas vor der Dunkelheit. Doch da ist nichts. Nur mein Name. Kate. Wie eine einsame Kerze in der Finsternis flackert er, kaum genug um mich zu wärmen. Alles andere ist fort, wie ausgelöscht.
Wieso ist da nichts? War meine Vergangenheit es nicht Wert sich daran zu erinnern? Vielleicht ist es besser sich nicht zu erinnern?
Mein Blick wandert zu ihm, meinem Kerkermeister, meinem Peiniger - und doch weiß ich nicht einmal seinen Namen. Er ist ein Fremder mit einer Aura von Macht und Geheimnis, jemand der mich zu besitzen glaubt, doch über mir schwebt ein noch größeres Unbekanntes. Was will er mit mir? Warum bin ich hier?
Bilder drängen sich in meinen Geist, ungebeten und unerwünscht. Vorstellungen von dem, was er mit mir vorhaben könnte, grotesk und erschreckend in ihrer Vielfalt. Ich sehe ihn, wie er mit kalten Augen Befehle gibt, wie er mich seiner Macht unterwirft, wie ich mich verliere - trotz meines Willens sträuben sich meine Nackenhaare. Die Bilder flackern wie eine böse Vision, lassen mich keinen Moment in Ruhe.
Meine Hände ballen sich zu Fäusten, die Ketten klirren leise, doch ich merke es kaum. Ich hasse diese Bilder, diese Ohnmacht, die sie heraufbeschwören. Doch egal wie sehr ich mich wehre, sie bleiben, greifen nach mir wie Schattenhände die mich festhalten wollen.
Eine Bewegung reißt mich aus meinen Gedanken. Seine Stimme erhebt sich über den Saal, zieht mich zurück in die Gegenwart. Sein Blick wandert über die Versammlung, scharf und abschätzend, bevor er plötzlich zu mir schwenkt.
„Genug nachgedacht." Seine Worte sind beiläufig, doch das glitzern in seinen Augen verrät, dass er meine Unruhe gespürt hat. „Du bist so still. Das steht dir nicht."
Mein Herz setzt einen Schlag aus, als ich merke, dass ich keine Antwort habe. Die Ketten an meinem Handgelenk ziehen leicht, ein leises Klirren, das mir unmissverständlich klar macht, dass ich hier keine Kontrolle habe, zumindest nicht in diesem Moment. Doch mein Trotz und mein Stolz erlöschen nicht. Es ist das Einzige, was mir gehört.
Somit hebe ich meinen Blick und starre ihm finster und trotzig entgegen.
Er erhebt sich von seinem Thron und seine Hand greift nach der Kette, mit einem Ruck zieht er mich neben sich. Der plötzliche Zug bringt mich aus dem Gleichgewicht und ich stolpere beinahe während ich mich versuche aufzurichten, doch sein Griff zieht mich aufrecht an seine Seite.
„Dies ist ein besonderer Tag", verkündet er, seine Stimme erfüllt den Saal und jeder Blick richtet sich auf mich. „Ich stelle sie euch vor. Sie ist mein. Ich erhebe Anspruch auf dieses Mädchen. Von heute an wird sie unter meinem Schutz und meinem Gesetz stehen, sie gehört mir! Dies ist zu akzeptieren, wie es unsere
Gesetze verlangen."
Seine Stimme hallt durch den Saal, tief und unumstößlich, während sich sein Blick über die Versammlung zieht.
Ich will grade etwas sagen, als er erneut seine Stimme erhebt.
„Sie wurde als Gegenleistung übergeben, ein Zeichen der Loyalität und des Vertrauens, das unsere neue Allianz stärkt. Ein Verbündeter, der unseren Schutz suchte, versprach sie mir - eine Geste, die unsere Macht und Einheit untermauert."
Seine Worte treffen mich wie ein Schlag und ich schnappe ungläubig nach Luft. „Was?", entfährt es mir, meine Stimme durchbricht die Stille des Raumes. Ich blicke ihn an, meine Augen weit vor Entsetzen.
„Das ist eine Lüge! Ich gehöre niemandem und schon gar nicht dir! Was auch immer du diesen Leuten erzählt hast, es ist nicht wahr."
Die Versammlung erstarrt, als meine Worte den Raum füllen. Einige blicken überrascht, andere empört über meinen Widerspruch. Doch er bleibt ruhig, ungerührt, während seine Augen mich durchbohren. Ein gefährliches Lächeln kräuselt seine Lippen, ehe er spricht. Seine Stimme ist so leise, dass nur ich es hören kann und doch schneidend wie eine Klinge.
„Sprich nicht weiter, wenn dir deine Würde lieb ist.", murmelt er mit einer erschreckenden Ruhe, seine Hand legt sich beiläufig auf die Kette an meinem Handgelenk.
„Du könntest bereuen was sonst folgen wird, besonders da du unsere Gesetze und Bräuche nicht kennst."
Seine Mimik und Gestik betont, dass dies nicht nur ein Versprechen, sondern eine ehrlich gemeinte Warnung ist.
Der Raum bleibt still und ich spüre wie meine Wut aufkocht. „Anspruch?", platzt es aus mir heraus, „ich gehöre niemandem klar."
Ein gefährliches glitzern tritt in seine Augen und in einem Moment, der sich wie eine Ewigkeit anfühlt, greift seine Hand nach meinem Kinn, zwingt mich ihm in die Augen zu sehen. „Sei still."
Doch die Flamme meines Trotzes flackert weiter.
„Und wenn nicht?", provoziere ich weiter.
Ich presse die Lippen zusammen, mein Herz hämmert in meiner Brust. Doch er beugt sich näher, seine Worte sind jetzt nur für mich bestimmt, ein Flüstern. „Sei dankbar, dass du unter meinem Schutz stehst. Es könnte weit schlimmer für dich sein, wenn ich dich fallen ließe."
„Inwiefern, macht ihr mich dann zur Hure und Sklavin eurer Männer?", spotte ich ihm entgegen, wenig überzeugt von dieser Drohung.
„Dann wärest du Freiwild für jeden dem du gefällst.", erwidert er.
Seine Augen glitzern, während ich in meinem Inneren gegen die Ohnmacht und den Trotz ankämpfe. Er hat mich öffentlich gedemütigt, mich beansprucht wie eine Trophäe und dennoch behauptet er mich zu schützen? Verlangt von mir zu schweigen wie ein braver Schoßhund zu gehorchen?
Ich erhasche einen seitlichen Blick auf die große Menschenmenge, die uns beobachtet und ich kann ein Schauer kaum unterdrücken. Mein stolz rebelliert, doch ich beiße die Zähne zusammen, unfähig, diesem Machtspiel zu entkommen. Für den Moment bleibt mir nichts anderes übrig, als stumm zu bleiben auch wenn mein Innerstes tobt. Doch ich Funkel ihn vernichtend an, meine Worte mögen kurzzeitig schweigen, doch mein Blick verrät ihm was ich nicht ausspreche - ich gehöre dir nicht.
Es fühlt sich wie eine Ewigkeit an, bis er seiner Pflicht genüge getan hat. Er nimmt meine Ketten und zerrt mich hinter sich her in den Gang, aus dem wir gekommen sind. Ich stolpere hinter ihm her, der Protest liegt mir auf der Zunge, doch die Worte ersticken in meinem Hals. Schließlich erreichen wir sein Zimmer und mit einer Präzision, die erschreckend routiniert wirkt, befestigt er die Ketten erneut an der Stange.
Als das vertraute klirren verstummt und die kälte des Metalls wieder meine Haut reizt, kann ich die Demütigung nicht länger herunter schlucken und breche mein Schweigen.
„Was zum Teufel soll das alles?", frage ich, meine Stimme schärfer als ich es beabsichtige. „Du kettest mich an, du führst mich wie ein Tier vor, behauptest ich sei dein, du erhebst Anspruch auf mich und jetzt das? Was denkst du dir eigentlich? Ich will Antworten und zwar jetzt!"
Er mustert mich mit einer Mischung aus Gelassenheit und Amüsement, bevor er sich auf sein Bett setzt und schließlich spricht.
„Du hast genau das bekommen, was du angeboten hast.", sagt er ruhig, seine Stimme samtig und gefährlich.
„Angeboten?", wiederhole ich ungläubig, mein Herz schlägt schneller. „Ich habe gar nichts angeboten! Du hast mich aus meinem Leben gerissen und jetzt behauptest du ich sei freiwillig hier?"
Er streckt sich über das Bett hinaus zu mir und obwohl ich mich instinktiv zurückziehen möchte, zwinge ich mich an Ort und Stelle zu verharren. „Oh doch, genau das behaupte ich. Du hast dich mir angeboten.", sagt er mit einem leichten Zucken seiner Lippen, als ob er meinen Protest belustigend fände. „Du hast dich als Tribut und Opfer freiwillig angeboten und dein Dorf hat es akzeptiert, mehr noch, sie haben es dankend angenommen. Jeder wusste, was auf dem Spiel stand und sie haben dich übergeben, bereitwillig."
„Lügner!", schieße ich zurück, meine Stimme zittert vor Wut. „Ich würde mich niemals an jemanden wie dich anbiedern. Du willst mir weismachen, dass mein eigenes Volk, mein Dorf mich verraten und übergeben hat? Für was?"
Seine Augen verengen sich leicht und er lehnt sich wieder im Bett zurück, die Arme hinter dem Kopf verschränkt. „Für Schutz, für Frieden. Dein Volk wusste, dass es ohne unsere Hilfe verloren wäre und sie wussten wir würden einen Preis verlangen. Also wählten sie dich und du warst naiv genug einzulenken." Seine
Worte treffen mich wie ein Schlag, doch ich lasse nicht nach. „Das ergibt keinen Sinn! Warum ich? Wieso sollte ich mich freiwillig opfern? Ich habe keine
Erinnerungen, ja aber das würde ich wissen."
„Erinnerungen sind zerbrechlich", erwidert er leichthin, als ob dies eine unbedeutende Tatsache wäre.
„Deine Erinnerung hat Zeit, sie wird bei Zeiten den Weg zu dir zurückfinden. Doch dies ändert nichts an der Wahrheit der du dich nun stellen musst." „Und warum sollte ich dir glauben?", frage ich, meine Stimme jetzt leiser als mir lieb ist.
Er richtet sich auf und beugt sich wieder zu mir, selbst wenn ich zu ihm hinabsehe, dominiert seine Aura meine Wahrnehmung.
„Glaub was du willst. Es spielt keine Rolle. Dein Leben gehört jetzt mir und ob du es akzeptierst oder nicht, ändert nichts an den Tatsachen."
„Was genau war mein Angebot?"
„Ist das von Belang?"
„Egal was du von mir oder meinem Volk halten magst, ich stehe zu meinem Wort welches ich gebe. Sollten deine Worte der Wahrheit entsprechen, gab es ein Angebot, womit habe ich mich an dich verkauft?"
Er wartet und stille beherrscht den Raum während er dich abschätzt und genau mustert.
„Du hast dich mir als Opfergabe angeboten. Du sagtest du würdest mit mir kommen, wenn ich das verlange." „Das war es?", harke ich nach.
„Ich habe zur Bedingung gemacht, dass du mein sein wirst unter meinem Schutz bist und wir dafür mit Schutz und Frieden dienen.", misstrauisch beobachtet er wie ich nachdenke und seine Worte auf mich wirken lasse.
„In der Abmachung ist keine Rede davon, dass ich dir gehorchen muss. Nur das ich bleibe. Nichts Geringeres werde ich einhalten. Doch auch nicht mehr, das schwöre ich." Trotzig entgegne ich seinem durchdringenden Blick.
„Ach kleine Flamme, ich frage mich wie lange du so trotzig bleibst, wie viel von dir noch übrig ist, wenn ich mit dir fertig bin."
Nach der hitzigen Auseinandersetzung herrscht für einen Moment eine unruhige Stille im Raum. Sein Blick bleibt auf mir haften, herausfordernd aber auch amüsiert, als hätte mein Widerspruch ihn mehr unterhalten als verärgert. „Ich will mich waschen. Richtig waschen. Eine Dusche, eine Badewanne. Ich möchte den Dreck loswerden und meine Haare waschen können." Mein Tonfall ist scharf, fast fordernd, obwohl ich kaum in der Position bin, Forderungen zu stellen.
Er bleibt stehen, mustert mich schweigend und für einen Moment scheint es, als würde er ablehnen. Doch dann nickt er langsam. Ohne ein Wort löst er die Ketten von der Stange, greift sie mit einer Selbstverständlichkeit, die mich fast schaudern lässt und führt mich in den Flur.
Gegenüber dem Zimmer öffnet er eine Tür und der Anblick, der sich mir bietet lässt mich für einen Moment innehalten. Das Badezimmer ist riesig, beinahe wie ein Tempel. Ein eingelassenes riesiges Becken beherrscht den Raum, groß genug für mehrere Personen. Das darin befindliche Wasser dampft verführerisch.
Dahinter eine Wand, sie vermutlich die Toilette verbirgt.
„Da.", präsentiert er das riesige Badebecken und sein Blick legt nahe, dass er keinen Einspruch duldet.
„Danke. Den Rest schaffe ich allein.", demonstrativ halte ich ihm die Fesseln hin, damit er mir diese abnehmen kann.
Tatsächlich löst er die Ketten von meinen Handgelenken, ohne die Ringe die diese zieren zu entfernen. Doch er zeigt keinerlei Anstalten das Bad zu verlassen.
Mein Blick fordert ihn zu einer Antwort auf.
„Ich werde das Bad nicht verlassen. Gewöhne dich daran, dass ich immer in der
Nähe sein werde. Leg deine Scham ab."
Wut sammelt sich in meinem Bauch, als wäre es nicht schon demütigend genug gewesen.
Dann kommen mir seine Worte wieder in Erinnerung:
„Wichtig ist nur, dass du dich an diesen Moment erinnerst. Denn es ist erst der Anfang."
„Du glaubst doch nicht, dass ich dem nachgeben werde? Dass ich einfach akzeptiere keinerlei Privatsphäre zu haben?"
„Nein." Die Antwort überrascht mich, verwirrt schaue ich ihn an.
„Ich bin fest davon überzeugt, dass du dich nicht einfach so fügen wirst, doch durchaus mit der Zeit kleine Flamme."
„Geh hinaus!", fordere ich ihn erneut auf. „Halte Wache vor der Tür, wenn du mir nicht vertraust."
Ein amüsiertes Lächeln kräuselt seine Lippen. „Das ist nicht verhandelbar. Zudem wer würde freiwillig auf diesen Anblick verzichten?", Zorn steigt in mir auf. Als ob ich ein Objekt der Belustigung sei oder um die gierigen Triebe eines daher gelaufenen, arroganten Arsches wie ihm zu befriedigen.
„Ich habe keine Ahnung für wen du dich hältst oder wer zur Hölle du bist", schreie ich ihn an „aber ich bin ganz bestimmt nicht dein Privates
Showprogramm oder höchst eigener Porno. Wenn du jemanden zum aufgeilen suchst oder eine Fickvorlage, dann verpiss dich!"
Seine Augen blitzen auf, darin ist Neugierde und etwas Unaufhaltsames zu erkennen. Mit einem Schritt ist er bei mir, drückt mich mit seinem Körper gegen die Wand des Bades und hält mich mit seiner Präsenz dort gefangen. Gefährlich und bedrohlich traue ich meinen Ohren nicht als er ein leises knurren nicht unterdrückt. Trotz meiner Überraschung versuche ich mir diese nicht anmerken zu lassen und habe Mühe mein Blick aufzurichten und dem seinen standzuhalten.
Meine Worte hallen im Badezimmer nach, ein feuriger Ausbruch, der die Luft zwischen uns knistern lässt. Ich kann fühlen, wie mein Herz rast, mein Atem schwer geht, als wir uns anstarren.
Langsam neigt er den Kopf, wie ein Raubtier, das seine Beute mustert. „Christiano van Pantherae", sagt er, seine Stimme tief und samtig aber mit einem Unterton aus Stahl, der mich unwillkürlich schlucken lässt. „Das ist der Name den du dir merken wirst. Dein Beschützer. Dein Herr. Und ja…", er lehnt sich ein Stück näher, nun trennt uns nur noch ein Hauch und sein Blick wird unerträglich intensiv. „Du bist mein."
„Dein?" Ich spucke das Wort förmlich aus, doch er fährt unbeirrt fort, als hätte ich nichts gesagt.
„Du bist nicht hier weil ich dich genommen habe. Du bist hier, weil du selbst zugestimmt hast.", seine Worte schneiden wie ein Messer. „Dein Dorf hat dir das erklärt. Oder warst du zu blind vor Stolz um zuzuhören? Du bist mein Opfer. Mein Tribut. Von dir akzeptiert und besiegelt."
Ich schüttele heftig den Kopf, die Wut über seine Worte überwältigt mich. „Ich würde niemals…", werfe ich ein, doch seine Worte unterbrechen mich. „Oh, aber du hast.", seine Stimme nun ein leises Knurren, das die Härte seiner Haltung widerspiegelt. „Und jetzt wirst du dich dem fügen. Dir bleibt keine Wahl kleine Flamme. Du bist mein Besitz, ob es dir gefällt oder nicht." Mein Körper verkrampft sich, während ich die Bedeutung seiner Worte verdauen muss. Doch ehe ich eine Antwort finde, fährt er fort, sein Tonfall wie samt, der über scharfe Klingen gleitet.
„Du wirst es akzeptieren. Du wirst dich fügen. Und du wirst lernen, wo dein Platz ist. Oder ich werde es dich lehren.", er lehnt sich zurück, gibt mit Raum um zu atmen. Mir ist schwindlig von seiner Präsenz und Dominanz. Mein Trotz flackert auf wie eine Flamme, aber seine Präsenz - diese alles beherrschende Macht - lässt sie sogleich wieder flackern. Ich will schreien, ihn schlagen, etwas tun, aber meine Worte bleiben mir im Hals stecken und ich starre ihn nur an, unfähig zu reagieren.
„Gut", nickt er anerkennend. „Jetzt darfst du entscheiden, ob du diesen Weg freiwillig gehst oder ob ich dir jeden einzelnen Schritt aufzwingen muss." „Ich ziehe mich nicht vor dir aus!" Ich habe gar nicht über meinen Widerspruch nachgedacht, als er aus mir herausplatzt, schneller als ich denken kann. Er lässt ein leises fast vergnügtes Lachen ertönen.
„Na schön. Dann werde ich dir helfen." Seine Stimme ist ruhig und der Funke von Belustigung in seinen Augen ist wie ein Dolch in meiner Selbstbeherrschung. „Das wirst du nicht noch einmal tun!", ich weiche zurück, doch er tritt näher, provozierend nah, bis sein Schatten mich einhüllt.
Seine Stimme ist nur ein Flüstern „Dein Körper, er ist unter meiner Berührung erzittert, sehnst du dich nach diesem Gefühl zurück?"
Wie ein Stich trifft mich die Erinnerung, wie mein Körper trotz meines Widerwillens zitterte. Doch er verwechselt Lust mit Wut, wie ein Mantra wiederhole ich es und bilde daraus einen Schild.
Widerwillig ziehe ich mich von ihm zurück und drehe ihm den Rücken zu. Ich unterdrücke meine Wut und den Trotz und schiebe erst den einen, dann den anderen Träger meines Kleides von meiner Schulter. Nicht, weil ich will, sondern weil ich keine andere Wahl sehe. Das Kleid fällt lautlos zu Boden. Kurz überlege ich, ob ich in Unterwäsche in das warme dampfende Wasser steigen soll. Doch entscheide mich trotz meiner Befangenheit dagegen. Ich möchte mich Waschen und mich endlich wieder sauber und befreit vom Schmutz fühlen. Mit einem resignierenden Seufzer streife ich meinen BH ab und steige aus meinem Höschen, dann beeile ich mich, ins Wasser hinein zu steigen und mich unter der Wasseroberfläche zu verstecken.
Doch als ich mich gerade in das Becken niedergelassen habe, nehme ich das rascheln von Kleidung wahr. Ich schaue über meine Schulter zu Christiano. Er zögert keine Sekunde lang und ist im Begriff seine Kleidung ebenfalls auszuziehen, sein Hemd liegt bereits am Boden. Bevor ich etwas einwenden kann, öffnet er seine Hosen und lässt auch diese zu Boden gleiten. Schnell, wende ich meinen Blick ab bevor meine Augen Konturen zu erfassen wagen und ziehe mich auf die andere Seite des Beckens zurück, als er mir ins Wasser folgt.
Das Wasser ist warm, beinahe beruhigend, doch seine Anwesenheit zerstört jeden Anflug von Entspannung. Ich starre ihn finster an, meine Augen voller Trotz, während er sich mit einer beunruhigenden Ruhe zurücklehnt. „Ich hoffe, du findest es… angenehm.", sagt er und sein Unterton lässt Hitze in mir aufsteigen - vor Wut, nicht vor Scham rede ich mir ein.
„Ich könnte dir den Rücken schrubben kleine Flamme.", bietet er freimütig an. Meine Finger ballen sich zu Fäusten unter der Wasseroberfläche, und meine Stimme tropft vor Sarkasmus, als ich erwidere:
„Ein wirklich großzügiges Angebot, schade das deine Hände das nicht überleben würden."
Das Wasser scheint die Spannung zwischen uns zu verstärken, statt sie zu lindern. Meine Muskeln sind angespannt, mein Körper bereit, bei jeder Bewegung auszuweichen, die er macht. Christiano lehnt sich an den Rand des Beckens, seine Augen auf mich gerichtet, wie ein Raubtier, das seine Beute beobachtet. Sein Blick ist intensiv, anzüglich und ich kämpfe darum, meinen Trotz aufrecht zu erhalten, auch wenn mein Körper ein verräterisches Prickeln verspürt.
„Du zitterst, kleine Flamme.", murmelt er vom anderen Ende des Beckens. Wie konnte er das wahrnehmen? „Ist das Wasser zu kalt? Oder ist es etwas anderes? Ich kann es dir wärmer machen."
„Vielleicht liegt es an deiner widerwärtigen Anwesenheit", fauche ich zurück, meine Stimme schärfer als ich mich fühle. Doch er lacht leise, das tiefe Geräusch verstärkt das Knistern in der Luft zwischen uns.
„Widerwärtig?", er zieht eine Braue hoch, sein Tonfall ein gefährliches Spiel aus Amüsement und Warnung. „Wie faszinierend, dass du so sehr dagegen kämpfst und doch…", seine Augen wandern unverfroren über mich, was mich dazu bringt, die Arme vor meiner Brust zu verschränken, während ich mich noch tiefer ins Becken sinken lasse. „Zeig mir wo genau du mich unattraktiv findest, vielleicht kann ich dich dann mit den Vorzügen meiner Anwesenheit und meines Körpers versöhnlicher werden lassen." Er nähert sich langsam bei jedem Wort mit einem Schritt in meine Richtung, während ich versuche den Abstand zu ihm zu wahren.
„Ich sagte widerwärtig, nicht unattraktiv. Außerdem bleib wo du bist.", bei meinen Worten bleibt er tatsächlich stehen, was mich ein wenig verwundert.
Hatte er tatsächlich getan was ich gesagt habe?
Doch da blitzt sein selbstgefälliges Lächeln auf und er überbrückt die letzte Distanz zwischen uns Mühelos bevor ich ausweichen kann. „Du findest mich also attraktiv?", ich fühle seine Nähe und bin mir bewusst, dass er mit mir spielt, dass er mich provozieren will.
Aus der Bahn geworfen, bekomme ich keinen klaren Satz zustande und stottere nervös vor mich hin. Als ich sicher bin das ich keinen klaren Satz zustande bringen würde, beiße ich mir auf die Zunge. Er flüstert sanft an meinem Ohr „Es ist keine Schande mich anziehend zu finden, kleine Flamme.", er zieht sich ein paar Schritte zurück, so dass ich endlich meine Fassung zurückgewinnen kann. „Hör auf so einen Müll zu reden und hör auf mich so anzusehen.", knurre ich ihn an.
„Warum sollte ich?", sein Ton ist beiläufig, doch seine Worte schneiden tief. „Scham, menschliche Regeln… solche Konzepte haben hier keinen Platz. Du wirst lernen, sie loszulassen. Es wird dir leichter fallen, sobald du verstehst, dass ich alles mit dir machen könnte, was mir gefällt."
Ich spüre, wie das Blut in meinen Adern kocht, doch bevor ich etwas erwidern kann, fährt er fort, seine Worte wie ein Seidenfaden, der sich um meinen Willen schlingt.
„Aber das interessiert mich nicht.", erklärt er plötzlich, während er sich tiefer ins Wasser gleiten lässt.
„Widerwillen sich jemanden zu eigen machen ist langweilig. Nein kleine Flamme… ich möchte sehen, wie du brennst. Wie du selbst darum bettelst, dass ich dich nehme. Dass du mich anflehst, dir mehr zu geben, bis nichts von deinem Stolz, deiner Scham mehr übrig bleibt."
Seine Worte sind ein Angriff auf all meine Widerstände und ich kann nicht verhindern, dass mein Atem schwerer geht. Doch ich halte seinen Blick mit unverhohlener Wut stand.
„Du bist krank." Presse ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, doch meine Stimme klingt weniger sicher, als ich gehofft hatte.
„Nein", entgegnet er, sein Lächeln kalt und überlegen. „Ich bin ehrlich. Etwas, das du lernen wirst zu schätzen, wenn du endlich erkennst wer du bist - und was du bist. Wenn du sehen kannst, wer und was wir sind."
„Was soll das heißen?" Meine Stimme ist lauter, trotziger, doch er schüttelt nur den Kopf, seine Lippen zu einem schmalen Lächeln verzogen.
„Geduld", murmelt er und lehnt sich zurück, das Wasser kräuselt sich um sein Kinn. „Alles zu seiner Zeit."
Das Wasser ist warm und ich lasse mich frustriert gegen den Rand des Beckens sinken, meine Arme auf dem glatten Stein abstützend. Die Wasseroberfläche kräuselt sich leise um meinen Körper, als ich tief durchatme, um den Knoten aus Wut, Angst und Verwirrung in meiner Brust zu lösen. Mein Blick wandert ziellos durch den Raum, bis er an der Decke hängen bleibt und da stockt mir der Atem.
Die Decke ist aus Glas. Durch das klare Material sehe ich den Nachthimmel, dunkel und endlos, übersät mit zahllosen Sternen, die in der Ferne wie winzige Lichtsplitter flimmern. Doch es ist der Mond, der meine Aufmerksamkeit fesselt. Er hängt schwer am Himmel, ein dominierender Kreis aus silbernen Licht, der die Schatten im Raum noch tiefer erscheinen lässt. Sein Zyklus ist fast vollendet, die leuchtende Scheibe zu drei Vierteln gefüllt. Die Ränder des Mondes scheinen zu flimmern, als würde seine Energie durch die kalte Nachtluft pulsieren und ein unmerkliches Kribbeln in meinem Inneren auslösen.
„Der Mond", murmle ich, mehr zu mir selbst als zu ihm, doch ich spüre seinen Blick auf mir.
„Er zieht dich an, nicht wahr?" Seine Stimme ist weich, beinahe freundlich und ich blicke kurz zu ihm hinüber. Seine Augen scheinen im Mondlicht heller, silberner und ein unergründliches Lächeln umspielt seine Lippen. Während er hinaufschaut. „Wie ein heimkehrender Ruf."
„Was soll das bedeuten?", frage ich, meine Stimme flach, doch in meinem inneren brennt die Frage wie ein ständiges Echo.
Es bleibt eine Weile still, in der er den Mond betrachtet, während meine Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet ist. Zum ersten Mal betrachte ich ihn während er meine Anwesenheit fast zu ignorieren scheint.
Als er antwortet, wendet er sich mir zu und neigt leicht den Kopf, als würde er eine unausgesprochene Wahrheit in meinem Gesicht lesen. Mein Blick wandert zurück zum Mond, doch sein Anblick gibt sich plötzlich schwerer an, als würde das Licht des Mondes nicht nur den Raum, sondern auch mich selbst erhellen, Schichten von mir freilegend, die ich nicht begreifen kann.
Die Stille zwischen uns füllt den Raum wie ein dicker Schleier, nur das sanfte Plätschern des Wassers und der entfernte Ruf eines Nachtvogels durchbrechen sie. Ich schließe die Augen, doch das Bild des Mondes ist hinter meinen Lidern eingebrannt - eine stumme Erinnerung, eine unausweichliche Wahrheit, die ich noch nicht entschlüsseln kann.


