Ich war nie einer von ihnen.
Schon als Kind spürte ich es - die Blicke, das Misstrauen, die Art, wie das Dorf mich duldete, aber mich nie wirklich als eine der ihren akzeptierte. Gefunden am Waldrand, ohne Vergangenheit, ohne Familie. Ich wuchs mit Geschichten über Flüche und Schatten auf, ohne zu wissen, dass ich selbst Teil davon war.
Dann kam die Nacht, die alles veränderte.
Ich wurde ihm geopfert. Christiano van Pantherae.
Damals dachte ich, es sei das Ende. Dass ich als Gefangene sterben würde. Doch stattdessen wurde es der Anfang. Ein grausamer, unerbittlicher Anfang.
Ich kämpfte gegen ihn. Gegen Christiano. Gegen das, war er war. Gegen das, was er in mir weckte. Ich wollte nicht dazugehören. Nicht gebunden sein. Doch meine eigene Natur ließ mir keine Wahl.
Meine Nymphennatur unterwarf mich ihm.
Er nahm mich - fordernd, besitzergreifend - doch ich zerbrach nicht. Ich brannte. Und aus diesem Feuer wurden wir eins. Ihm verfallen und doch ebenbürtig stehe ich heute an seiner Seite. Seine Gefährtin. Seine Königin.
Verbunden in Liebe und Leidenschaft.
Wir haben Feinde und Flüche überlebt, sie bezwungen, niedergerungen. Wir haben unser Volk aus der Dunkelheit geführt.
Doch nicht jeder Schatten stirbt mit der aufgehenden Sonne.
Daemon ist noch draußen.
Ich spüre ihn in jeder kalten Nacht, in jedem Windhauch, der zu leise flüstert. Sein Hass auf mich ist nicht erloschen.
Und ich weiß: Er wird nicht ruhen, bis er mich zerstört hat.
Doch ich bin nicht mehr das Mädchen, das einst geopfert wurde.
Ich habe überlebt. Habe gekämpft. Habe mich gewehrt - und doch wurde ich tiefer hineingezogen, als ich es je für möglich gehalten hätte.
Jetzt weiß ich die Wahrheit.
Ich bin nicht einfach nur ein Mensch in ihrer Welt. Ich bin etwas anderes.
Ich bin die Königin der Skinwalker. Und ich werde nicht fallen. Und wer glaubt er könne mich kontrollieren, der kennt mich nicht.
Die Luft schmeckt nach Eisen. Schwer, dickflüssig tropft es auf den kalten Stein, versickert in den feinen Rissen des Altars, als würde er das Opfer gierig aufsaugen. Kein Laut, kein Widerstand. Nur der stumpfe Herzschlag, der durch den Raum pocht - sein eigener, ihrer.
Er spürt es, wie sich die Schatten um sie beide legen, wie das Gewicht dieser letzten Worte, die er sprechen muss, mehr ist als nur Klang. Sie sind eine Band. Ein Fluch. Ein Versprechen.
„Schwöre", beginnt er, die Worte tief aus seiner Kehle, sie in der Dunkelheit verströmend, „dass du mir treu bleibst. Oder das Blut, das du mir verwehrst, wird dein eigenes verderben."
Seine Stimme schneidet die Stille wie ein Messer. Er sieht, wie sie sich anspannt, die Luft zwischen ihnen wird schmerzlich dick, als die Worte von Bedeutung durch den Raum hallen. Ihre Augen, wie zwei flimmernde Kerzen in einem Sturm.
„Was du jetzt gibst", fährt er fort, „bleibt bis in alle Ewigkeit mein." „Ein Eid, den der Tod selbst nicht brechen kann."
Er tritt einen Schritt näher, seine Präsenz füllt den Raum. Die Runen auf dem Altar flimmern in einem schwachen Licht, das von den Magien des Rituals durchzogen ist.
„Wenn du versagst", seine Augen sind eisig, „wird das Dunkel dich holen." Die Worte schneiden wie kaltes Eisen. „Wenn du lügst, wird das Feuer in dir vergehen."
Er spürt den Widerstand in ihr, den Zweifel, doch es ist keine Frage. Sie werden sich beugen. Sie müssen. Die Dunkelheit hat sie schon in ihren Fängen, wie er.
Sie sieht ihn an, ihre Lippen zittern, als sie die Worte ausstößt. Ihre Stimme bricht nicht, ihre Hand, die sie ausstreckt, verrät nichts von der Qual, die sie spürt.
„Ich schwöre bei meinem Blut, dass ich dich nicht verraten werde."
Der Schwur ist gesprochen, gebunden an das Blut, das nun nicht mehr ihr gehört. Sein Atem jagt durch die Stille, eine Stimme in seinem Schädel drängt, mahnt, verlangt. Dies war notwendig. Unausweichlich.
Die Worte haben Gewicht, mehr als Fleisch und Knochen. Sie hallen nach, bilden unsichtbare Ketten, die nicht brechen, nicht lockern. Er spürt sie - die unausweichliche Verbindung, den Schatten, der sich in ihre Adern gegraben hat.
„Schwöre", hatte er gesagt, und sie hatte geschworen. Ein Versprechen, das nun in ihr verankert ist, tiefer als jede Wunde.
Wenn sie sagt, wird das Dunkel sie holen. Wenn sie lügt, wird das Feuer in ihr vergehen.
Er hat es gesichert. Mit ihrem Blut. Mit seinem Willen. Und nichts kann sie mehr retten.


